Nachdem die Einleitung zum agilen PMBOK® Guide den Ausgangspunkt definiert hat und die Randbedingungen agiler Projekte geklärt sind, widme ich mich heute Projektphasen und feineren Unterteilungen agiler Projekte.
Lt. PMBOK® Guide 4th edition dienen Projektphasen der Unterteilung eines Projekts, um zusätzliche Steuerungsmöglichkeiten zu realisieren. Am Ende jeder Phase werden häufig Stage Gates verwendet, um die Ergebnisse der beendeten Phase zu prüfen und eine neue Phase freizugeben. Agile Projekte unterteilen die Phasen gerne in Timeboxes und geben damit im Gegensatz zum klassischen Projektmanagements ein verbindliches Zeitraster vor. Klassisch geht man von einem fest definierten Scope eines Projekts aus, Timeboxing legt dagegen den zeitlichen Umfang fest. Da sich der Scope von Projekten leider häufiger ändert als die verfügbare Zeit, ist die agile Sichtweise oft angebracht.
Timeboxes selbst sind in
Scrum beispielsweise häufig zwischen zwei und vier Wochen lang und damit deutlich kürzer als eine
Projektphase. Hier macht es denn auch Sinn mit Inkrementen zu arbeiten. Inkremente definieren dabei einen inhaltlichen Fortschritt im Sinne des Scopes. In agilen SW-Entwicklungsprojekten steht je nach Lehre ein lauffähiges, aber nicht vollständiges Stück Software am Ende jeden Tages oder jeder
Timebox bereit. Verallgemeinert bietet es sich an, Projektphasen in Inkremente und wiederum in Timeboxes zu unterteilen. Den Widerspruch zwischen der zeitrestrigierten und der scoperestrigierten Sicht von Timeboxes und Inkrementen muss man für das konkrete
Projekt sinnvoll auflösen.
Der
PMBOK® Guide betrachtet Projektphasen als die kleinste Struktureinheit, darunter kommen Arbeitspakete und Vorgänge. Inkremente sind in der 4th edition im Rahmen der neu eingeführten iterativen Abfolge von Phasen zwar genannt, aber nicht ausgeführt worden, Timeboxes sind weiterhin unbekannt.
Wir stehen an dieser Stelle an einer Kluft zwischen der hauptsächlich auf internationale Großprojekte ausgerichteten Philosophie des PMI
® und eher auf kleine Softwareprojekte ausgerichteten Methodiken und Frameworks wie
Scrum.
In der Praxis muss die Brücke geschlagen werden zwischen der Welt eines Lenkungsausschusses und dem täglichen Management des Projekts. Die Projektphasen sind die Punkte, an denen der Lenkungsausschuss einhakt, um sich über den Fortschritt des Projekts zu informieren und dem Fortgang des Projekts seinen Segen zu geben, es zu ändern oder zu beenden. Über den
PMBOK® Guide hinaus, können in agilen Projekten Phasen sowohl überlappen als auch iterative Eigenschaften haben. Die Phasenstruktur des Projekts muss vom Lenkungsausschuss freigegeben werden.
Die Aufteilung innerhalb der Projektphasen dient dagegen der Steuerung des Projektablaufs hinsichtlich des gesamten Projektteams. Die Struktur innerhalb der Phasen sollte deshalb gemeinsam mit dem Projektteam entwickelt werden und gehorcht den Regeln der jeweiligen Methodik (beispielsweise Scrum) für die Erstellung der Projektergebnisse.
Eine sinnvolle Entwicklung ist die Umstellung eines Unternehmens z.B. innen von der IT-Abteilung heraus auf agile Vorgehensweisen, d.h. der Bruch zwischen der agilen und nicht-agilen Welt wird immer weiter nach außen verlagert und damit entschärft.
Weiterführende Informationen
Dieser Artikel wurde von Andreas Heilwagen am 27.05.2009 um 08:00 gepostet und unter Best-of, Meinung, PMI, Scrum, Standards eingeordnet. Sie können Kommentaren über den RSS 2.0-Feed folgen. Das Posting steht unter der Creative Commons-Lizenz wenn nicht anders vermerkt.
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